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Stieg Larsson: Vergebung. Heyne

Kugeln, Hacker, Journalisten
Lisbeth Salander, Mittelpunkt der zwei vorangehenden Romane „Verblendung" und „Verdammnis" des 2004 verstorbenen Autors ist weiter auf ihrem privaten Rachefeldzug. Sie hat zu überleben gelernt und sie misstraut der ganzen Welt - mit gutem Grund. Als Opfer staatlicher Willkür  verweigert sie jede Zusammenarbeit mit den Behörden, selbst dann, als sie schwerverletzt begraben wird, sich rettet und mit einer Kugel im Kopf in der Intensivstation landet. Auch als man sie dreier Morde verdächtigt, schweigt sie eisern, findet aber in ihrem Chirurgen einen Verbündeten. Hilfreich sind auch die genialen Hackerfreunde, die Lisbeths Feinde ausspähen und Beweismaterial liefern, das den Staat und seine außer Kontrolle geratenen Behörden gar nicht gut aussehen lässt. Die investigativen Journalisten der Zeitschrift „Millenium" tun ein Übriges, um Lisbeth zu befreien. Larssons extreme Figuren bewegen sich am Rande der Glaubwürdigkeit, doch zeigt der Autor exemplarische Mechanismen der Gefährdung eines demokratischen Gemeinwesens auf. Wenn Geheimdienste zum Staat im Staate werden und die  rechtsgerichteten Kräfte sich zu obskuren Zirkeln zusammenrotten kann nur mehr auf die Courage unabhängiger Richter und Medien gesetzt werden. Aber auch letztere sind in Gefahr wenn sie, um Auflage zu machen, in den Boulevard abrutschen und so zu unfreiwilligen Komplizen der moralischen Erosion werden. Larsson verstand es jedenfalls, eine Spannung aufzubauen, die  Wochenendpläne über den Haufen zu werfen droht: zuallererst will man wissen, ob Lisbeth davonkommen wird. Alles andere kann doch auch später erledigt werden.

 

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