Zuletzt in Max Annas abgelegt

Lauter Klischees

Was war zuerst die Henne oder das Ei? Im Falle von Max Annas' neuem Krimi glaubt man bei einer Nacherzählung des Films „Die Hölle" von Stefan Ruzowitzky gelandet zu sein. Der Beginn geht so: ein illegal in Berlin lebender Schwarzer sieht von seinem Unterschlupf aus in die gegenüberliegende Wohnung in der eine Prostituierte arbeitet. Er sieht, wie ein Kunde die Frau umbringt. Der Mörder hat aber bemerkt, dass er beobachtet wurde und jetzt ist die Jagd auf Kodjo eröffnet. Bei Ruzowitzky ist es eine türkische Taxifahrerin die unfreiwillig Zeugin eines Sexualverbrechens wird. Sie  hat Probleme mit der Polizei, weil die ihr nicht recht glaubt. Kodjo kann wegen seines illegalen Aufenthaltes in Deutschland erst gar nicht zur Polizei gehen. Kommt einem verdammt bekannt vor. Annas, ansonsten als Autor sehr geschätzt, ist diesmal eine Enttäuschung. Illegal (Rowohlt) erzählt von einem schwarzen Wirtschaftsflüchtling aus Ghana in einer sehr einfachen schwarz-weißen Welt. Alle Bullen sind böse, die Deutschen Faschisten, alle Afrikaner nett, die Dealer, die dauernd davonrennen müssen, sowieso und Kodjo verkauft Sex an eine ältere Deutsche, die ihm dafür ein Dach über dem Kopf zur Verfügung stellt. Das ist alles zu klischeehaft um irgendwie spannend zu sein. Auch die Weise, wie Kodjo an Informationen über den Mörder  kommt und seinerseits den Verdächtigen findet, ist ziemlich unglaubwürdig. Manchmal wäre es doch besser, nicht den angesagten und schnell abgelutschten Themen hinterherzuschreiben.

 

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