Hillary Van Wetter, ein Psychopath, der aus
Rache einen Sheriff ermordet haben soll, sitzt in der Todeszelle. Die Leute von
Moat County sind sowieso überzeugt, dass der gewalttätige Irre ein Mörder ist,
daher stört es auch keinen, dass die Beweisführung seinerzeit äußerst
fragwürdig war. Zwei Söhne eines Zeitungsherausgebers in Nordflorida suchen sich
ausgerechnet diesen Fall aus um zusammen mit einem ehrgeizigen Freund eine
große Reportage zu schreiben. Da man
dabei heftig auf den Pulitzerpreis schielt, ist man um der zündenden Story
willen schon geneigt, ein paar grundlegende Tatsachen ein etwas zurechtzubiegen.
Schließlich kämpfen die Provinzblätter alle ums Überleben und können ein wenig
Renommee gebrauchen. Die Vierte im Bunde ist eine unterbelichtete Dame, die
sich gerne in Psychopathen verliebt und diese im Gefängnis zu besuchen pflegt. Sie ist von der Unschuld des Todeskandidaten
überzeugt und will ihn unbedingt retten. Das gelingt ja auch und das Ende ist
trotzdem gar nicht gut.
Pete Dexters schwarzer
Roman Paperboys (liebeskind) ist neu
aufgelegt worden und er ist ein ganz
besondere Mischung aus Spannung, Verrat und Sarkasmus. Die Reporter gewinnen
glatt einen Pulitzerpreis, doch jeglicher Anstand ist flöten gegangen- und das
schon in der gute alten Zeit von 1965. Während eine Schlampe sich den
einundsiebzigjährigen Vater krallt, um sich zur Chefredakteurin befördern zu
lassen, machen sich die Söhne davon. Hillary kommt frei, doch der Preis ist
hoch. Das alles entwickelt eine eigene Dynamik, der sich keiner entziehen kann.
In den Sümpfen mit den Wassermokassinschlangen
hausen inzestuöse Wesen, die nur entfernt an den Homo sapiens erinnern;
diese Schilderungen sind so plastisch, dass man das Schmatzen der modernden
Biomasse zu hören glaubt: Gruselig, konsequent und erbarmungslos. (Ab 25.6.2013
als Film auf DVD und Blu-ray erhältlich).